Veröffentlicht in Island

55 Kilometer Feuer und Eis

Hallo nach Deutschland,

(Sara): Wir melden uns gerade aus der Küche unseres Campingplatzes in Reykjavik. Hinter uns liegen 55 Kilometer Laugavegur, über 1000 Höhenmeter, Lavawüsten und Schneefelder – aber lest selbst:

In Reykjavik angekommen machten wir uns auf zu einem kurzen Stadtbummel, bei dem wir prompt ein bekanntes Gesichz trafen. Der Street Performer „Basketball Man“ war uns schon vor zwei Jahren in Sydney über den Weg gelaufen, und auch in Island zeigte er seine Show – wir konnten kaum fassen, wie klein die Welt manchmal ist! Nach den obligatorischen Fotostopps machten wir uns auf den Weg zur Campsite, wo wir unser Zelt aufschlugen und bald darauf in die Schlafsäcke krochen.

Am nächsten Morgen um Punkt sieben Uhr stiegen wir in den Hochlandbus, der uns nach Landmannalaugar, den Startpunkt unserer Wanderung, brachte. Und das war ein Ding: Hoch genug, um mitteltiefe Flüsse zu furten und selbstverständlich mit 4WD ausgestattet.

Nach knapp vier Stunden waren wir dann in Landmannalaugar angekommen und staunten nicht schlecht: Der Zeltplatz lag umgeben von Bergen und heißen Quellen mitten in der Natur und sollte uns einen Vorgeschmack darauf geben, was uns die nächsten Tage erwarten sollte. Begeistert schlugen wir unser Zelt auf und sprangen direkt in die heißen Quellen – und wurden zunächst einmal bitter enttäuscht, denn das Wasser war ganz schön kalt. Doch je näher wir der Menschenmasse kamen, die sich am Ende der Pfütze tummelte, umso wärmer, gar heißer wurde es (das hätten wir uns auch denken können) und ab und an schoss sogar ein Strahl kochend heißes Wasser aus der Quelle.


In Landmannalaugar gibt es außerdem die letzte Möglichkeit zum Einkaufen, die „Mountain Mall“, zwei zum Laden und Café umgebaute Schulbusse.

(Lukas): Nach einer angenehmen zweiten Nacht in unserer Lok starteten wir auf den Laugavegur. Von ca. 500m stiegen wir innerhalb der ersten 11km auf ca. 1200m hinauf. Ein letztes Mal warfen wir einen Blick zurück auf unser „Basiscamp“ in Landmannalaugar und sahen von Schneefeldern bedeckte Berge, die in vielen Farben schimmern, dazwischen Formationen von vor Ewigkeiten erkalteter Lava.

Nachdem wir das Tal weit hinter uns gelassen hatten, machte sich vor uns eine weite Schneelandschaft breit. So schön diese Landschaft auch war, so beschwerlich wurde jedoch die Wanderung. Es ging immer höher hinauf, dabei schien kein Ende in Sicht, hinter jedem Hügel tat sich ein neuer auf. Später sollten wir erfahren, dass diese Menge an Schnee tatsächlich ungewöhnlich für diese Jahreszeit ist. Nach knapp sechs Stunden erreichten wir endlich das Ende der ersten Etappe: die Hütte in Hrafntinnusker.

 Doch unser Verdacht hatte sich bestätigt: Die Hütte war komplett eingeschneit. Zelten auf Schnee kam für uns mit unserer Lok, die nicht komplett geschlossen war, nicht in Frage, und da in der Hütte kein einziger Platz mehr frei war, mussten wir gezwungenermaßen direkt die zweite Etappe bestreiten. Es war inzwischen 17 Uhr und vor uns lagen weitere 12km. Da wir bereits am Ende unserer Kräfte waren beschlossen wir, unser Duo zu einem Trio zu machen, denn so konnte im Notfall Hilfe geholt und der Verletzte nicht allein gelassen werden. Die perfekte Ergänzung fanden wir schließlich in Michel, einem 46 Jahre alten Kanadier aus Québec. Mit seinem Mantra „One step at a time“ half er uns durch weitere drei Stunden im Schnee und obwohl wir ihn sicherlich ausbremsten, genossen wir die gemeinsame Zeit sehr.

Michel sorgte am Ende sogar dafür, dass wir unser Zelt nicht wie geplant auf dem ersten schneefreien Flecken aufschlugen, sondern das zweite Etappenziel, die Hütte bei Álftavatn, noch vor Mitternacht erreichten. Die Wärtin erwartete uns offenbar bereits und hatte sogar noch eine Portion Wärme Hausmannskost für uns übrig. Für mehr als eine warme Dusche reichte es danach jedoch nicht mehr, dann schliefen wir sofort ein, verständlich, waren wir doch über 12 Stunden am Stück gewandert.



Genau diese 12 Stunden schliefen wir dann auch, und so war es schon ziemlich spät, als wir uns wieder auf den Weg machten.  Die Strecke sollte einfacher werden, doch das ist immer relativ. Unsere Körper waren geschunden und jeder Knochen tat weh, aber alles Klagen half nichts. Nach wenigen monotonen Kilometern durch das Tal kamen wir in eine Wüste aus Lavasand. Jeder Schritt fühlte sich an wie ein halber Schritt zurück, aber die Atmosphäre war einfach einzigartig, vergleichbar mit dem Mond oder der Post-Apokalypse. Weit und breit niemand außer uns beiden, kein Ton war zu hören und wo auch immer wir hinschauten: toter Boden. Nach einem kurzen, aber schmerzhaften Aufstieg kamen wir endlich an der Hütte Emstrur an – und wieder fielen wir totmüde und unfähig, uns zu bewegen, in die Schlafsäcke.

Anbruch letzter Tag. Die Beine schmerzten, aber die Aussicht auf das Ende unseres Weges stimmte uns positiv, außerdem hieß es, die letzte Etappe sei die einfachste. Immer wieder ging es auf und ab, das war uns lieber als die monotone Wüste vom Vortag. Wie auch an den vergangenen Tagen galt es einige Flüsse zu furten, das heißt, hindurch zu waten. Was einfach klingt, ist gar nicht so ohne, es gibt viele Sicherheitsregeln, die zu beachten sind (Zum Beispiel sind die engsten Stellen immer die tiefsten, man soll immer diagonal gegen die Strömung furten, die Rucksackgurte müssen davor gelöst werden..).

Die Sonne brannte an diesem Tag mir so vom Himmel und wir verbrannten uns Gesicht und Hände – doch das war uns lieber als der schreckliche Niesel-Nebel, mit dem wir zwei Tage zuvor zu kämpfen hatten. Schließlich sah ich mit Freude die erste Birke. Nachdem wir seit 3 Tagen keine Pflanze gesehen hatten, die höher als 20cm war, war das eine verheißungsvolle Abwechslung. Bald sahen wir hinter der letzten Furt einen ganzen Birkenwald. Er sollte das einzige sein was uns von Þórsmörk, unserem Ziel, trennte, Dann endlich sahen wir eine Laterne, bald darauf ein Gatter und schließlich eine Hütte. Wir hatten es geschafft. 55km in 3 Tagen, mehr als 1000 Höhenmeter. Das Gefühl war schlichtweg unbeschreiblich, alle Strapazen vergessen. Wir haben eine Erfahrung gemacht, die uns keiner mehr nehmen kann.



(Sara): Es gab ein paar Momente, in denen wir kurz davor waren aufzugeben. Als wir einen 10 Meter hohen Matschberg runterklettern mussten, um danach einen 10 Meter hohen Schneeberg wieder hinaufzuklettern. Oder als die reißende Strömung der Null-Grad-kalten Flüsse drohte, uns umzureißen. Oder als die Schmerzen in den Knochen unerträglich wurden. Wir haben gemerkt, dass es immer weiter geht und dass der Körper auch dann weitermachen kann, wenn der Geist schon längst aufgegeben hat. Nach 12 Kilometer steilem Aufstieg festzustellen, dass weitere 12 Kilometer vor einem liegen, ist nicht nur scheiße, sondern erscheint einem in diesem Moment auch einfach aussichtslos. Aber der Körper kann weiterlaufen, wenn der Verstand weiß, dass er keine Wahl hat. Der Laugavegur war unser bisher größtes Abenteuer und lässt sich, wie ihr gemerkt habt, auch mit so vielen Worten nicht beschreiben. Das muss man erlebt haben!

Stay tuned,

Lukas und Sara

Advertisements
Veröffentlicht in Island

Góðan daginn, Ísland!

Hallo ihr lieben Leute,

Es ist wieder soweit: Die letzten Klausuren sind geschafft und seit gestern Mittag sind wir beide offiziell im Urlaub. Ursprünglich hatten wir geplant, mit Rucksack und Zelt durch Skandinavien zu reisen. Doch dann sahen wir, dass die Flüge nach Stockholm zu dieser Zeit beinahe genau so teuer waren wie nach Reykjavik – und entschieden und spontan für eine Islandreise.

Unser Plan sieht wie folgt aus: Wir am Montag mit dem Bus die vierstündige „Scenic Route“ bis nach Landmannalaugar zurücklegen, einem wunderschönen Ort mitten im isländischen Hochland, an dem es natürliche heiße Quellen und der zugleich Startpunkt des beliebten Wanderwegs „Laugavegur“ ist. Von Dienstag bis Freitag/Samstag wollen wir die etwa fünfzig Kilometer bis nach Þòrsmörk zurücklegen. Auf dem Weg selbst gibt es (selbstverständlich) nur eine schwach ausgebaute Infrastruktur, sprich: Jede Tagesetappe startet und endet an einer Hütte und auch mit einem Zelt ist man angehalten, nach Möglichkeiten nur dort zu übernachten. So wollen die Isländer eine Zerstörung und Vermüllung ihrer Natur, wie sie durch Camper in Neuseeland und Australien bereits massiv passier, vermeiden. Schwache Infrastruktur bedeutet für uns jedoch auch, dass wir das Essen für den ganzen Weg mitnehmen müssen – das sind pro Person etwa 2,5 Kilogramm. Immerhin um die Wasserversorgung müssen wir uns keine Sorgen machen, das ist nämlich überall trinkbar.

Nach dem Laugavegur fahren wir zurück nach Reykjavik, wo wir sonntags einen Mietwagen abholen. Damit wollen wir dann den Golden Circle abfahren, eine knapp 400km lange Route, die in einem Tagestrip alle Sehenswürdigkeiten, die von Reykjavik aus erreichbar sind, abklappert. Wir wollen uns jedoch etwas mehr Zeit nehmen und planen gute zwei Tage ein. Mit dem Mietwagen sind wir flexibel und können so den Besuchermassen der Reisebusse entgehen – denn in Island wird es ja nicht dunkel.

Am letzten Tag vor unserem Abflug wollen wir in die Blue Lagoon, ebenfalls natürliche heiße Quellen mit milchigem blauen Wasser und nur einen Steinwurf von Reykjavik entfernt. Da man nur mit Reservierung rein kommt, haben wir für morgens um sieben gebucht und hoffen, ein paar Momente der Ruhe zu genießen bevor der große Andrang kommt.

Soweit erstmal zu unserem Plan. Die Rucksäcke stehen gepackt da und Lukas‘ Eltern fahren uns gleich an den Flughafen. Wir freuen uns unglaublich!

Viele Grüße aus Kaiserslautern,

Sara

Mein Gepäck (noch nicht ganz vollständig) vor und nach dem Packen
Essen für knapp eine Woche nicht – nicht sonderlich frisch, aber hochkalorisch
Veröffentlicht in Japan

Tschüss, Japan, und bis bald!

Konnichiwa!

Viele von euch haben es bereits mitbekommen: Wegen eines familiären Todesfalls müssen wir unsere Reise an dieser Stelle leider beenden. So melden wir uns zum letzten Mal aus Japan, gerade sitzen wir an Gate 35 des Terminal 1 am Narita Airport in Tokyo und warten auf unser Boarding. Doch für uns ist die Reise definitiv nicht ab-, sondern nur unterbrochen: Im nächsten Jahr wollen wir, wenn alles nach Plan läuft, da weitermachen wo wir heute aufgehört haben. Denn wir haben uns richtig verliebt, in dieses Land.

Nachdem wir also unsere verfrühten Rückflüge gebucht hatten, blieben uns nur noch ein paar Tage, und wir befanden uns gerade in Osaka. So haben wir Osaka uns Kobe mehr oder weniger in einen Tag gepackt:

Kobe gefiel uns auf Anhieb gut, es erinnerte uns an eine Mischung aus Dubai und Sydney, ein schönes Hafenstädtchen – wenn auch gleich viel größer, als wir zunächst angenommen hatten. Der wenigen Zeit geschuldet unternahmen wir lediglich eine Hafenrundfahrt, diese war dafür jedoch wunderschön und wir haben uns gefühlt wie damals bei unserer Fahrt durch den Milford Sound in Neuseeland (ein Schiff, viele Asiaten und wir!).

In Osaka hatten wir dann nur noch den Abend, den wir im Vergnügungsviertel Dotonbori verbrachten. Alles hier erinnerte uns ein bisschen an den Times Square: laut, bunt und grell.

Innerhalb des nächsten Tages legten wir dann die rund 400 Kilometer nach Tokyo zurück, wir teilten uns die Strecke und benutzten den Motorway, sodass die Fahrt relativ schnell vorbei ging. In Tokyo angekommen schmissen wir uns mitten in den Stadtverkehr – und sowohl wir als auch der Van haben keinen Kratzer abbekommen. Alles also nur halb so wild, wie immer erzählt wird. Nach einer einstündigen Suche fanden wir dann endlich einen Parkplatz mitten in Shibuya, der 24h offen hatte und auf dem wir auch übernachten konnten. Es sollte jedoch das teuerste Parkticket unseres Lebens werden (trotz Pauschalpreis ab einer gewissen Stundenanzahl): Über 70 Euro bezahlten wir für 15h Parken. Dafür jedoch waren wir super super super zentral in Shibuya und spät abends nicht mehr auf Metro etc angewiesen.

Den letzten Abend ließen wir dann schön ausklingen: Wir besuchten den Skytree (den höchsten Turm der Welt – der Burj Khalifa ist ein Gebäude!) und aßen das wohl leckerste Sushi der Welt. Der Wahnsinn: Die Tische standen quasi um die Kochinsel herum und alle Bestellungen gingen direkt an den Koch, der das Gewünschte in weniger als zwei Minuten zubereitetet. Wow.

Heute Morgen packten wir dann zusammen, fuhren zwei Stunden in Richtung Van-Vermietung (Notiz: Wir sind in Tokyo losgefahren und auch unsere Vermietung ist quasi am Stadtrand Tokyos) und hielten auf dem Weg noch für unser letztes japanisches Highlight an: Onsen. Wow. Der Onsen, in dem wir heute waren, hatte elf verschiedene Thermalbecken plus Sauna – Entspannung pur! Eine deutsche Wellnessanlage kommt einem danach gerade zu langweilig vor.

Nun sitzen wir am Flughafen und in 15 Minuten ist Bording (entschuldigt deshalb bitte auch die Kürze des Beitrags!!). Wir melden uns aber bestimmt aus Deutschland bald mit einem abschließenden Resümee und einer Liste von Gründen, wieso Japan für uns das perfekte Reiseland war.

Ganz ganz liebe Grüße,

Sara

Veröffentlicht in Japan

Kyoto – eine ganz andere Welt

Wow, was war das für ein spannender Tag! Kyoto, die alte Hauptstadt Japans, ist so komplett anders als Tokyo, die aktuelle Hauptstadt. Welch ein facettenreiches Land Japan doch ist! Aber lest selbst:Heute Morgen fuhren wir, noch immer völlig entspannt vom Onsenbesuch, los in Richtung Yasu, einem kleinen Ort, wo wir unseren Van abstellen und den Zug nach Kyoto nehmen wollten (denn mitten im Getümmel wollten wir keinen Parkplatz suchen). Auf dem Weg mussten wir tanken, also hielten wir an einer Essotankstelle, kurbelten die Scheibe hinunter, zogen unser Redenswendungen-Buch hervor und zeigten auf die japanischen Zeichen für „Einmal volltanken, bitte!“. Das verstanden die fleißigen Damen von der Tankstelle und begannen, unseren Van zu betanken (dieser Service gehört hier wie selbstverständlich zum Tanken dazu, daran könnten wir uns gewöhnen!), doch plötzlich fingen sie auch noch an, unsere Scheiben zu putzen. Wow, das ist ja mal ein Service, dachten wir uns – dann wurde es kurios. Eine der beiden öffnete die Fahrertür und drückte Lukas einen nassen Lappen in die Hand. Er bedankte sich und wischte die Scheibe von innen, diese war noch ein wenig beschlagen von der Nacht. Doch als er der Dame den Lappen zurückgeben wollte, schüttelte diese energisch den Kopf und zeigte auf das Lenkrad – sie erwartete, dass er auch dies putzte. Nun gut, das tat er, reichte den Lappen Richtung Fenster, und, ihr könnt es euch denken, sie war noch immer nicht zufrieden. Auch die Armaturen mussten geputzt werden! Dann endlich durften wir den Lappen zurückgeben, artig „Arrigato“ sagen und losfahren. Unser Van ist nun blitzblank – und wir sind um eine Erkenntnis reicher, nämlich: Widersprich niemals japanischen Tankwärtinnen!

Eine halbe Stunde später ging es dann mit dem Zug nach Kyoto, dort angekommen beeindruckte uns erst einmal der Bahnhof, denn dieser ist riesig!

Von dort aus liefen wir zum Kyoto Tower (Anmerkung: Wer mich (Sara) kennt weiß, dass mein Papa (Hallo Papa, auch hallo Mama!) mir einen Faible für Aussichtstürme und Rekordhalter-Gebäude vererbt hat, so war ich unter anderem schon auf dem Burj Khalifa und dem Tokyo Skytree) und wurden oben mit einer beeindruckenden Aussicht belohnt, wir konnten sogar bis nach Osaka schauen. Das einzige Manko waren die kostenlosen festinstallierten Teleskope, diese waren nämlich viel zu niedrig für uns 1,70m-große Mitteleuropäer.

Nach dem Kyoto Tower ging es zur ersten und lange nicht letzten Tempelanlage, dem Higashi honganji. Errichtet im Jahr 1602 brannte sie dreimal fast vollständig ab und wurde jedes Mal mühsam wieder aufgebaut. Neben dem Tempelinneren, das man verständlicherweise nicht fotografieren durfte, beeindruckte am meisten ein Relikt aus der Entstehungszeit des Tempels: Da Seile zur damaligen Zeit eine mindere Qualität hatten, „opferten“ zahlreiche Anhänger ihre Haare und flochten daraus Seile, mit denen Schlitten voll Rohstoffe transportiert werden konnten. Wow.

Mit dem Bus fuhren wir im Anschluss in den östlichen Teil der Stadt, dort erstreckten sich über einen Berg mehrere Tempelanlagen, die durch kleine Gassen verbunden waren. Hier gab es eine Menge zu sehen: Kimonos, wohin man nur sah, Mönche, die zum Gebet riefen und sogar zwei echte Geishas! Ganz oben angelangt betraten wir die Zuigi-Halle des Kiyomizu-Dera-Tempels, dessen Keller als Schoß des Bodhisattva Zuigu betrachtet wird. Deshalb ist es dort vollkommen dunkel, sodass es keinen Raum für irdische Leidenschaften gibt. Den Weg durch die Dunkelheit zeigt ein Handlauf aus buddhistischen Perlen. In der Mitte des Raumes erscheint ein Stein, dessen Berührung einen (und nur einen!) Wunsch wahr werden lässt, wenn der Mensch nur aufrichtig genug ist. Beim Verlassen des Schoßes ist man gereinigt und darf durch die Tugend des Bodhisattvas eine Wiedergeburt fühlen. Es war sehr beeindruckend, Lukas erster Kommentar beim Verlassen des Kellers war jedoch: „Wow, das war eine ganz neue Stufe von Dunkelheit!“

Jetzt gerade sitzen wir wieder im Van, unser Ziel ist heute Abend noch Kobe (da gibt es das berühmte Kobe-Steak!), morgen geht es dann dort die Stadt erkunden und am Montag folgt ein weiteres, ganz spontanes Highlight: Es geht in die Universal Studios! Und, noch viel besser: Auch dort gibt es den Harry-Potter-Themepark, den es in Florida gibt! Jeder, der mich kennt weiß, dass das ungefähr das beste ist, was mir passieren konnte! Wir wussten nicht, dass es hier überhaupt Studios gibt (shame on us), aber zum Glück wusste das mein Papa! Beim kurzen Blick auf die Internetseite der Preise wegen sahen wir dann auch schon die Werbung für die Harry-Potter-Themeworld – ihr könnt euch meine Freude vorstellen! Das wird der Knaller!!

Ganz liebe Grüße vom Expressway zwischen Kyoto und Kobe,

Sara

Veröffentlicht in Japan

Unsere ersten Tage im Van

Ein weiteres Lebenszeichen von den beiden Reisenden. Heute wird hier von unserem Van und den bisherigen Erlebnissen damit berichtet. Am Bahnhof in Narita angekommen holte es uns Maciek dort ab. Er ist einer der netten Typen, die JapanCampers betreiben. Die Abholung verlief reibungslos, ein wenig Papierkram hier, eine kleine Einweisung da und schon konnten wir endlich starten. Die erste Station war natürlich der nächste Supermarkt. Der Hunger war schließlich groß, doch das Verständnis bei dem Blick in die Regale des Marktes eher klein. Es sah zwar alles furchtbar lecker aus, doch leider hatten wir bei eher wenigen Dingen tatsächlich eine Ahnung, was sich hinter der Verpackung verbarg.

Die Lösung: Nudeln mit Tomatensoße (natürlich nur als Backup!), Brot, ein Kasten Wasser und Instantnudeln in allen Variationen. Essen: check. Fehlte für den ersten Tag nur noch der Schlafplatz. In Japan ist das mit dem Auto gar kein Problem, denn abgesehen davon, dass man sich quasi überall dort hinstellen darf, wo nichts gegenteiliges steht, gibt es hier die sogenannten Mitchi-no-eki. Dabei handelt es sich um Parkplätze mit Toiletten und meistens mindestens einem Geschäft. Vom Aufbau her ähneln sie einem kleinen Rastplatz, doch scheinbar scheinen sie – teilweise zusätzlich mit Fernsehern und Wifi ausgestattet – eine Art sozialer Treffpunkt zu sein. Das stellten wir fest, als wir an unserem ersten Morgen im Van nach draußen blickten und plötzlich der gesamte Parkplatz gefüllt war, nachdem dort am Vorabend mit uns etwa 6 Autos standen (ca. 50 Parkplätze).

Es sei am Rande erwähnt: zunächst steuerten wir einen kleineren Mitchi-no-eki an, der sich dann aber als schäbiger Parkplatz entpuppte, auf welchem wir auf keinen Fall verweilen wollten. Ein paar Kilometer und Feldwege (Google Maps scheint solche als Straßen anzusehen) weiter waren wir dann an unserem Ziel angelangt. Sehr zufrieden und erschöpft machten wir den Van nachtfertig und starteten angesichts der eher niedrigen Nachttemperaturen das Highlight des Vans: die Standheizung. Problem: sie fiel nach etwa einer Stunde aus… der Fehler lag hier wohl bei mir (Lukas) aber wo genau weiß ich auch noch nicht. So mussten wir uns in der ersten Nacht auf unsere Schlafsäcke verlassen. Den Test hatten sie damit bestanden.

Am nächsten Morgen nutzten wir die örtlichen Waschräume (die Toiletten natürlich wieder mit allem ausgestattet) und das offene Wlan, planten die nächste Route und fuhren los. Es sollte nach Möglichkeit an Tokyo vorbei Richtung Westen gehen. So verbrachten wir den zweiten Tag mit Van mit der Fahrt. Da wir die Mautgebühren vermeiden wollen, wählten wir die Umgehungsstraßen und kamen damit sehr gut zurecht. Bei Einbruch der Dunkelheit wähnten wir uns plötzlich auf sehr engen Serpentinen durch ein Gebirge hindurch. Es gibt definitiv schönere Strecken bei Nacht, doch am Ende wurden wir für die Mühen belohnt: beim Blick in die dunkle Nacht erblickten wir plötzlich unmittelbar vor uns die weiße Spitze des Fuji-san. Der Anblick war majestätisch und hat bei mir tatsächlich so etwas wie Ehrfurcht aufkommen lassen. Doch auch das Verlangen nach einer Schlafstätte machte sich bemerkbar und so steuerten wir einen nahe gelegenen Mitchi-no-eki an, direkt an einem See, ganz in der Nähe des Fuji-san. In dieser Nacht hat die Heizung funktioniert, bei einer Außentemperatur von -1 Grad Celsius ist das enorm wichtig und machte diese Nacht zu unserer bisher besten. Die Ruhe und ein Wifi-Hotspot machten diesen Platz zum perfekten Nachtlager.

Der nächste Morgen: strahlender Sonnenschein, guter Schlaf und Waschgelegenheiten bescherten uns einen optimalen Start in den Tag. Ein Frühstück war zwar auch geplant, sogar schon zubereitet, wurde mir aber von einem kreisenden Adler in einem unaufmerksamen Moment von hinten aus der Hand gerissen. Ein kleines Stückchen Brot 5 Parkplätze weiter war alles, was davon blieb. Respekt an den Vogel, das hatte er sich verdient!

Wegen einer kleinen Planänderung beschlossen wir die Autobahn nach Kyoto zu nehmen. Es würde zwar Geld kosten, doch wir sparten so etwa die Hälfte der Zeit. Deshalb gibt es von Tag drei wenig zu berichten. Ah, doch, da war noch etwas. Nach ca. 400km Autobahn, auf welcher uns der Van wegen heftiger Winde fast umgekippt wäre (an dieser Stelle möchte ich Sara für ihre Fahrt loben: sehr gut gemacht) gönnten wir uns ein wenig Entspannung in einem Onsen, einem traditionellen Waschhaus mit Thermalbad. Herrlich. Hier sei ein streng einzuhaltendes Prozedere zu beachten: nachdem man seine Kleider abgelegt hat, wäscht man sich gründlich auf einem Hocker sitzend mit Seife und Wasser. Danach wird der Körper mit Eimern voll Wasser abgespült bevor es in die Becken geht. Dann, hat man verschiedene heiße und kalte Wasserbecken zur Auswahl, die den Körper entspannen. Eine wahre Wohltat. Einen Besuch in einem Onsen muss man wirklich jedem Japanreisenden ans Herz legen, denn für gerade einmal 700 Yen ist es wirklich nicht teuer.

Nun verabschieden wir uns wieder und lassen einen weiteren Tag hinter uns. Bald folgt ein weiterer Bericht!

Veröffentlicht in Japan

Hallo, Tokyo!

Konnichiwa! Gerade sitzen wir im Zug zurück nach Narita, um dort endlich unseren Van abzuholen. Diese Zeit wollen wir nutzen, um euch von den Abenteuern der letzten Tage zu erzählen.In Tokyo angekommen, nahmen wir den Zug von Narita (wo der Flughafen liegt, etwa 40km außerhalb) zur Station Shin-Koiwa. Dort standen wir dann und warteten auf Satoko, die uns alsbald mit einem Lächeln auf den Lippen und Sohn Daiki im Schlepptau begrüßte. Gemeinsam liefen wir zu ihr nach Hause – und waren mehr als überrascht, denn gemeinsam mit ihrem Ehemann lebt sie in einem Haus (!), und das nur ein paar Metrostationen entfernt von Tokyo City. Wir wissen also: nicht alle Japaner leben zu viert auf 15qm im 90sten Stock eines Wolkenkratzers!

Zu Abend gab es dann traditionell japanisches Essen: Nori (Algenblätter) mit Reis, Gurke und Surimi, die man wie Sushi rollt, dazu eine Misosuppe und grünen Tee. Super lecker!

 Doch das Highlight des Tages folgte spät am Abend, als Satoko uns fragte, ob wir ein Bad nehmen wollten. Total erschöpft vom Tag nickten wir und freuten uns auf die heiße Dusche (mit mehr hatten wir schließlich nicht gerechnet), doch nachdem Satoko einige Knöpfe in einer Art „Schaltzentrale“ drückte und uns in das Badezimmer einwies, konnten wir unser Glück kaum fassen: eine riesige, tiefe, elektrische (?) Badewanne, die die Wassertemperatur konstant auf 41 Grad halten konnte. Unfassbar!! Fast eine Stunde lang wuschen wir uns die fast 50h lange Reise vom Körper und fielen danach totmüde ins Bett.

Am nächsten Morgen dann ging es, gemeinsam mit Satoko und Daiki, in die Innenstadt Tokyos. Der erste Punkt auf der Liste war der Tokyo Skytree, danach ging es auch schon zum Mittagessen. Wieso so früh, fragt ihr euch vielleicht? Nunja, um in das Restaurant zu gelangen, stellten wir uns zunächst – gemeinsam mit rund 30 anderen Hungrigen – an einer langen Schlange an. Für uns unverständlich, gab es doch noch so viele andere Restaurants in der Umgebung, für die Japaner selbstverständlich. Und wir warteten. Und warteten. Und dann endlich würden wir für unsere Geduld belohnt, mit dem wohl besten japanischen Essen unseres Lebens: vor unseren Augen zubereitetem frittierten Fisch und Gemüse, Muschelsuppe, in Sojasoße eingelegtem japanischer Salat, Reis und frittiertem Ei. Auch ich (Sara), die mit Fisch ja bekanntlich nicht viel am Hut an („Warum bist du denn dann nach Japan gefahren?“ – Weil es dort mehr gibt als nur Fisch!) habe tapfer alles Unbekannte probiert, und bis auf den ganzen Tintenfisch (den ich aber auch probiert habe!) hat mir alles super geschmeckt. Doch viel mehr als der Geschmack beschäftigte uns zunächst der Prozess des Essens selbst: In Japan sind Tischmanieren das Fundament guten Benehmens, und wenn man nicht aufpasst, hat man mit der falschen Stellung der Stäbchen schnell die Urgroßtante des Kochs beleidigt. Also warteten wir zunächst ab, was unsere Sitznachbarn taten (denn Satoko und Daiki waren am anderen Ende des Raumes untergebracht) und ahmten es dann akribisch genau nach. Als einzige Europäer fielen wir schließlich sowieso schon auf. Doch das hielt die Bedienungen nicht davon ab, uns irgendwelche Dinge in schnellem Japanisch zu erklären. War ihnen nicht bewusst, dass wir kein Wort verstanden? Doch als wir danach artig „arrigato“ (Danke) sagten und uns andächtig verbeugten, begegneten sie uns mit einem großen Lächeln und einer noch tieferen Verbeugung.


Nach dem Essen fuhren wir nach Akihabara, dem Stadtteil, der wie kein anderer das Fremdbild Japans prägt: Hier in der „Spielhölle“ reihen sich fußballfeldgroße Leuchtreklamen an Mangamädchen und überdimensionale Bildschirme, die bei dem Versuch, sie gegenseitig zu übertönen, zu einem monotone Hintergrundgeräusche werden. Alles blinkt, alles spricht, es wirkt wir auf einem ganz anderen Planeten. Wow. Der Schock sitzt tief bei Lukas, der das Ganze zum ersten Mal sieht, und als wir dann auch noch einen solchen Spielhöllenturm (meist mindestens fünf Stockwerke hoch) betreten, ist der Kulturschock komplett eingetreten: Hier sitzen hunderte Japaner an Bildschirmen und daddeln, es gibt keine Uhren, Fotos sind nicht erlaubt (ich habe natürlich trotzdem welche gemacht) und auch hier ist alles laut, grell und ein Albtraum für jeden Europäer. Schnell wieder raus hier!

Zum Abendessen soll dann lieber wieder etwas altvertrautes her. Nach den letzten japanischen Essen schlagen Lukas und ich vor, etwas deutsches zu kochen, also gibt es Bratkartoffeln und Speck. Lecker! Und unseren japanischen Freunden hat es auch geschmeckt.

Heute Morgen nach dem Frühstück (Ramen) haben wir dann auch schon gepackt. Doch einen letzten gemeinsamen Spaziergang haben wir noch gemacht, es ging zu einem Shintoschrein, sehr beeindruckend, und das mitten im Grünen direkt neben einem McDonalds. Nun sitzen wir im Zug und freuen uns auf unseren Van!


Achso, eine gute Neuigkeit haben wir noch: Wenn alles so klappt wie geplant, dann kehren wir am Ende unserer Reise nochmal zurück zu Satoko und Daiki! Aber dazu mehr ein ander Mal. Zum Abschied hat uns Daiki (er ist fünf Jahre alt) noch eine Sammlung seiner Lieblingsnudeln (ähnlich der Asia-Instantnudeln, wie wir sie kennen) geschenkt – Verhungern werden wir also nicht!

Dear Satoko, dear Daiki, thank you so much for everything. You made our first days in Japan so much easier and we had a lot of fun with both of you. We feel ready now for our adventure, also because we know that if we got lost, we can always call you and ask for advice. Thank you for the Japanese lessons and for explaining so much about your culture. Can’t wait to see you again!


Alles Liebe aus Japan,

Sara

Veröffentlicht in China

3h Schlaf oder auch: Wie wir Geld sparen wollten und am Flughafen übernachteten

Guten Morgen aus der Warteschlange des Gepäck Check In! Es ist Punkt 7:02 Uhr und die fleißigen Mitarbeiter sitzen seit genau zwei Minuten an ihren Schaltern und fertigen Reisende ab. Zeit für uns, diese Zeilen zu schreiben.

Bettfertig machen auf der Flughafentoilette

Wow, was war das für eine Nacht! Nach einem ereignisreichen Tag in Shanghai kehrten wir gegen 11 Uhr zurück an den Flughafen Pudong. Unser Gepäck, das wir leider nicht komplett bis nach Tokyo durchchecken konnten, ließen wir auch über Nacht im Baggage Deposit – was uns keinen Cent mehr kostet, insgesamt haben wir also für knapp 20h nicht mehr als 8€ (für zwei große und einen Tagesrucksack!) bezahlt. Super!

Zwischen Steckdosen, schlafenden Mitreisenden und dem Bedienstetenaufzug richteten wir unser Nachtlager ein. Da wir eigentlich damit rechneten, auf Bänken zu schlafen, hatte Lukas zuvor nicht, so wie ich, seinen Schlafsack aus dem Rucksack geholt. Doch die Bänke waren alle schon längst belegt, außerdem bräuchten wir dringend Steckdosen, also bissen wir in den sauren Apfel und ließen uns auf dem Boden nieder. Zu zweit teilten wir uns Schlafsack und eine kleine Decke – das klappte besser als gedacht.

Provisorischer Schlafplätze in der Abflugshalle

Doch wegen Lärm und Jetlag bekam keiner von uns mehr als 3h Schlaf heute Nacht (und einige Stunden „Ruhe“), das ist trotz allem mehr, als wir erwartet hatten. Um 6 Uhr waren wir dann jedoch schon wieder auf den Beinen und nun stehen wir hier und warten darauf, unser Gepäck aufzugeben.

So sehen wir nach einer Nacht im Flieger und einer am Flughafen aus

 Sobald wir dann durch alle Kontrollen durch sind, gibt es erstmal zwei große Colas! Unser Flug nach Tokyo geht um 9:55 Uhr Ortszeit und wir freuen uns schon sehr, unsere Gastfamilie und die Stadt kennenzulernen!

Liebe Grüße und bis bald,

Sara